Proseminar B: "Rußland und Europa"

Der ideengeschichtliche Konflikt über die russische Identität in Geschichte und Gegenwart

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Das Verhältnis Rußlands zu Europa zählt zu den zentralen Streitpunkten der politisch-kulturellen Selbstverständigungsdiskurse um die Frage nach der russischen nationalen Identität. Ausgelöst durch die Öffnung Rußlands nach Europa im Zuge der petrinischen Reformen hat sich zu dieser Frage eine Debatte entwickelt, die bis heute anhält und die daher nicht nur von ideengeschichtlicher, theoretisch-philosophischer, sondern aufgrund ihrer politischen Implikationen auch von erheblicher aktueller Bedeutung ist. Das Spektrum der in diesem Rahmen vorfindlichen Beiträge pendelt dabei zwischen den ideellen Polen der russischen Eigenständigkeit (kultureller Sonderweg) und einer Modernisierung nach westlichem Vorbild.

Ausgehend von dem Konflikt zwischen Westlern und Slavophilen um 1830 zeichnet das Seminar die wichtigsten Etappen, Inhalte und Entwicklungen der Diskussion über das Verhältnis Rußlands zu Europa nach, wobei das zaristische, das sowjetische und das post-sowjetische Rußland gleichermaßen berücksichtigt werden. Neben der gemeinsamen Lektüre zentraler Texte werden dabei auch die Grundlagen der (historischen) Diskursanalyse erarbeitet.


Einführende Literatur:

  • Valentin Gitermann: Geschichte Rußlands, Bd. 3, Frankfurt/M 1987, Siebter Teil, Kapitel 6;
     
  • Alexander von Schelting: Rußland und Europa im russischen Geschichtsdenken, Bern 1948; Rußland in Europa. der Kontinent steht kopf, Sonderheft der Zeitschrift OSTEUROPA, Nr. 9-10/2003;
     
  • Achim Landwehr: Geschichte des Symbolischen. Einführung in die historische Diskursanalyse Tübingen 2001.